Das Buchwelt-Allerlei | Autoreninterview mit Joshua Tree

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Willkommen zum ersten Autoreninterview in der Beitragsreihe „Das Buchwelt-Allerlei. Autor und Verleger Joshua Tree hat einige Fragen beantwortet. Er ist seit Jahren auf dem Buchmarkt vertreten, veröffentlicht im Selfpublishing und bei Verlagen. 2022 gründete er gemeinsam Matthias Matting (Brandon Q. Morris) den Verlag A7L Books.Gemeinsam mit seinem Bruder Philipp Tree betreibt er den Podcast „Treecorder“.

Ein paar Informationen

Herkunftsland: Deutschland (lebt in Neuseeland) 
Autor seit: 2017 
Genres in denen du veröffentlichst: Science Fiction, Fantasy, Mystery
Sprachen in denen du veröffentlichst: Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Schwedisch, Ukrainisch, Russisch 
Anzahl bereits veröffentlichter Bücher: ~80

Autorenbild © Foto Keller Goslar

Das Interview beginnt

 Viktoria: Was hat dich dazu bewogen deine eigenen Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen? 

Joshua: Ursprünglich Geldsorgen. Meine heutige Frau und ich waren auf Motorradweltreise und hatten kein Geld mehr und das einzige, in dem gut war, das ich von überall machen konnte, war schreiben. Damals dachte ich, dass Romane zu schreiben das Schönste der Welt sein müsse, aber man davon nicht leben kann. Dann habe ich aber erfahren, dass man im Selfpublishing sehr gut davon leben kann – vorausgesetzt, man schafft es ganz an die Spitze. Da ich schon immer mit einem gesunden Selbstvertrauen ausgestattet war, habe ich gedacht: Dann muss ich eben die Nummer 1 in meinem Lieblingsgenre, der Science Fiction werden, und daran hatte ich tatsächlich auch nie Zweifel.

Ich habe damals immer ein Journal geführt und mir jeden Morgen aufgeschrieben (und damit visualisiert und ausgemalt), wie ich mein Ziel erreiche und wie schön das sein wird. Das war sozusagen mein Magnet. Ich habe mir dann immer die vielen begeisterten Leser vorgestellt, denen ich mit meinen Geschichten eine Freude mache und die dazugehörigen Chartplatzierungen und was für ein selbstbestimmtes Leben dieser Erfolg dann für mich bedeutet. Darum bin ich auch heute noch von unheimlicher Dankbarkeit erfüllt; gegenüber dem Leben, meinen Lesern und all denjenigen, die mich auf dem Weg unterstützt haben, dazu gehören nicht nur einige sehr hilfsbereite Autoren wie Brandon Q. Morris, sondern auch Blogger, wie ganz besonders du. 

Viktoria: Wie viel von deiner eigenen Persönlichkeit lässt du in deine Texte fließen? Verarbeitest du auch Erlebnisse aus deinem Alltag oder deinen Reisen? 

Joshua: Sehr viel, ich denke, davon kann (und will?) sich kein Autor freimachen. Klar gibt es auch Figuren, die ich selbst verabscheue, aber sich in die hineinversetzen zu können, gehört auch dazu und ist Teil der Wahrheit. Vielleicht kennt das jeder: Meistens halte ich mich für wirklich nett, aber manchmal bin ich auch ein Arschloch (wenn es mir selbst auffällt, entschuldige ich mich natürlich). Manchmal bin ich aber auch innerlich gemein, wenn ich mich über jemanden ärgere und ihm im Affekt die Pest an den Hals wünsche oder, oder, oder. Erlebnisse selbst verarbeite ich nur indirekt.

Ich hatte zum Beispiel mal ein „Erleuchtungserlebnis“, wie es in der Spiritualität heißt, das hat mich sehr geprägt und davon findet sich immer wieder einiges. Außerdem fließen meine Werte und Überzeugungen immer wieder ein, allerdings eher auf philosophischer denn auf politischer Ebene, da ich mich keiner Partei und keinem Spektrum zuordne (und nicht zulassen will) – wahre Demokraten sind meiner Meinung nach frei und nicht etwas zugehörig, außer der demokratischen Idee. In meinen Büchern gibt es also viel meiner Wertvorstellungen und Weltanschauungen, aber eher auf der Ebene des philosophisch-spirituellen. Ich hatte auch einige Nahtoderfahrungen, die vermutlich dafür verantwortlich sind, dass der Tod immer eine zentrale Rolle spielt in meinen Werken, einfach weil mich das Prinzip der scheinbaren Endlichkeit von Dingen (die letztlich eine Illusion ist) unheimlich fasziniert. 

Viktoria: Was machen deine Bücher aus? 

Joshua: Klare Spannungsbögen, schnelles Pacing, nahbare Charaktere mit Tiefe und komplexe, frische Ideen. Das ist zumindest immer mein Ziel. Ob das die Leser dann auch so sehen, müssen sie entscheiden 😉 

Viktoria: In welcher Zeitform und welcher Perspektive schreibst du am liebsten? 

Joshua: Habe ich früher verachtet, liebe ich mittlerweile wegen der Direktheit: Ich-Perspektive Präsens. 

Viktoria: Wie hat sich dein Schreiben in den letzten Jahren entwickelt?  

Joshua: Ich experimentiere mehr mit verschiedenen Stilen und traue mich, spirituell-philosophischen Konzepten und Überlieferungen mehr Raum zu geben. Ich denke auch, dass ich mehr Optimismus reingebracht habe. 

Viktoria: Wie viel Recherche steckt in einem Buch? 

Joshua: Ich recherchiere viel und mein Leben gern. Ich versuche die Materie zu durchdringen und maximale Glaubwürdigkeit herzustellen. Darum können Leser sicher sein, dass beschriebene Technik und Physik realistisch dargestellt sind – oder ich zumindest den Anspruch an mich hatte. 

Viktoria: Du hast einige Bücher gemeinsam mit anderen Autoren geschrieben. Was war für dich dabei am schwierigsten? 

Joshua: Am schwierigsten ist es natürlich, unterschiedliche Ansätze unter einen Hut zu bringen. Und manche Autoren sind extrem schwierige Spielpartner, weil sie sehr an ihren Überzeugungen und Meinungen hängen und andere sind deutlich leichter in der Kooperation. Douglas E. Richards ist da tatsächlich herausragend einfach in der Zusammenarbeit. 

Viktoria: Welche Herausforderung ist für dich die Größte in der Welt der Literatur? 

Joshua: Der „Siegeszug“ der KI. Nicht nur die Flut an KI-Müll auf dem Markt, der alles verwässert und verdummt, sondern auch die ständigen Anschuldigungen, denen wir Autoren uns jetzt gegenüber sehen. Ich bekomme ständig Kritik wie: „Mit KI geschrieben, sonst ginge das gar nicht in dieser Schlagzahl.“ Dann verweise ich gerne darauf, dass ich schon seit 2017 in dieser Frequenz schreibe, fünf Jahre VOR ChatGPT und Konsorten. Ich denke, das wird in Zukunft nur noch schlimmer. 

Viktoria: Worauf achtest du bei deinen Werken am meisten? 

Joshua: An Menschenfreundlichkeit. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Mensch im Grunde gut ist und sein Bestes gibt, aber nicht immer die Ressourcen und den Hintergrund dafür hat. Ich glaube fest an die positive Absicht. Wir funktionieren nur nicht so gut in abstrakten Konstrukten wie Zivilisationen, weil wir viel besser in Empathie sind, wenn wir die anderen Menschen vor uns sehen. Alles andere sind nur Zahlen und Konzepte, zu denen wir (viel zu schnell) Meinungen entwickeln. Wir sind schlecht in Makro und gut in Mikro. Deshalb appelliere ich immer für kleine Communities und Empathie. Ganz praktisch ist mir aber wohl der Spannungsbogen am wichtigsten und dass die Leser flott durch die Seiten fliegen können. 

Viktoria: Auf welche Buchprojekte dürfen wir uns in den nächsten 1-2 Jahren freuen? 

Joshua: Fantasy. Ich habe eine echt tolle Idee, auf der ich schon lange herumkaue. Die werde ich bald umsetzen. 

Viktoria: Was war das Gefährlichste und/oder das Coolste, dass du jemals gemacht hast? 

Joshua: Schwierig, nur eine Sache zu nennen. Ich habe einen Fallschirmsprung aus 7.000 Metern gemacht, mit Sauerstoff, bin in einem von Haien umschwirrten Schiffswrack getaucht, habe einen Parabelflug mit Astronauten der ESA absolviert und mit einem Maschinengewehr aus einem Helikopter geschossen, nachdem wir knapp über den Boden eines Canyons gejagt sind und vieles mehr. Ich war auch mal in Seenot. Das Coolste waren aber wohl einige meiner Fallschirmsprünge, dicht gefolgt von der Schwerelosigkeit während des Parabelflugs. 

Viktoria: Bereust du etwas in Bezug auf dein Wirken als Autor oder als Verleger von A7L Books? 

Joshua: Nein. Ich finde es bloß schade, dass wir nicht jedem den Erfolg auf dem US-Markt ermöglichen konnten. So weit ich das sehe, bin ich (leider) immer noch der einzige deutsche Selfpublisher (und Verlagsautor vermutlich auch), der auf dem Englischen Markt wirklich erfolgreich Fuß fassen konnte und sich dort als Massenautor bezeichnen kann. 

Viktoria: Gibt es etwas, dass du uns noch abschließend mitteilen möchtest? Wo erreichen dich deine Leserinnen und Leser am besten? 

Joshua: Seid nett zueinander, besonders dann, wenn andere es nicht sind. Die beste Waffe gegen „das Böse“, ist das Gute. Weniger streiten, mehr lächeln, weniger sagen, mehr zuhören, mehr verstehen als überzeugen, mehr Empathie als Ablehnung. Und: nehmt das Leben nicht zu ernst, niemand hat uns je gesagt, dass wir alles so ernst nehmen müssen. Unser Gastspiel als dieser Körper und diese Persönlichkeit sind zwangsweise endlich (und können jederzeit enden), dementsprechend: Einfach atmen und die Show genießen ;-). 

Erreichen kann man mich am besten auf Discord: https://discord.gg/Qs3VjpypS oder per E-Mail joshua[at]joshuatreeautor[punkt]de (joshua@joshuatreeautor.de)

Zum Abschluss ein paar kurze Fakten

Größte Stärke: Meine Empathie
Größte Schwäche: Ich bilde mir aufgrund meiner Emotionalität häufig im Affekt zu schnell ein Urteil über Dinge und Menschen, das ich dann aktiv im Kopf hinterfragen muss anschließend.
Lieblingsfarbe: Orange
Lieblingsbuch-/genre: „Eine neue Erde“ von Eckhart Tolle (Sachbuch) und „Hyperion“ von Dan Simmons (Roman)
Lieblingsfilm/-serie: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (Film) und „O.C. California“ (Serie)
Lieblingsspiel: Mass Effect
Lieblingsmusik/-lied: „Athina Mou“ von Konstantinos Argiros
Lieblingsland: Neuseeland und Griechenland
Lieblingshobby: Pickle Ball

This or that?


Wildschwein oder Löwe?
Löwe (mein Sternzeichen ;-))
Sommer oder Winter? Sommer
Stadtmensch oder Landmensch? Landmensch
Frühaufsteher oder Langschläfer? Ultra früh =)
Zocken oder Lesen? Lesen
Elegante Schuhe oder gemütliche Sneakers? Sneakers
Rucksacktour oder Resort-Urlaub? Mittlerweile Resort-Urlaub (ich bin alt geworden)
Chaotisch oder strukturiert? Strukturiert
Hörbuch oder Musik? Musik

Viktoria: Herzlichen Dank lieber Joshua für deine Zeit und deine Mühe, die du in die Beantwortung der Fragen gesteckt hast. Danke auch für deine Worte!

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