
Die Geschichte war anders als erwartet, doch tauchte ich durch den tagebuchartigen Stil tief in das Geschehen ein. Meine Meinung beschreibe ich im Text näher.
Fakten zum Hörbuch:
Titel: Robinson Crusoe
Autor: Daniel Defoe
Sprecher: Wolfgang Condrus
Verlag: Audible Studios
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2009
Version: Ungekürzt
Laufzeit: 12 Stunden und 28 Minuten
ASIN: B0045EJLVQ
Originalfassung: 1719
Inhaltsangabe:
(Quelle: https://www.audible.de/pd/Robinson-Crusoe-Hoerbuch/B004UZFDIA, Datum: 31. August 2024)
Der Kaufmann und Seefahrer Robinson Crusoe wird nach einem Schiffbruch als einziger Überlebender auf eine unbewohnte Insel verschlagen. Er schildert, wie er sein Leben auf der Insel meistert – vom Errichten seiner Hütte bis zu seinem Zusammentreffen mit einem Eingeborenen, den er Freitag nennt und zu seinem Diener erzieht. Doch wird er die Insel wieder verlassen können? Defoes packender Weltklassiker gibt ein zeitloses Beispiel dafür, dass sich selbst aussichtslos scheinende Situationen mit Mut und Einfallsreichtum meistern lassen.
| Gestreamt via Audible |
Meine Meinung zur Geschichte:
Es fällt mir tatsächlich schwer die Geschichte zu bewerten. Einerseits hatte ich ein gutes Hörerlebnis. Anderseits ist sie, wie man heute sagen würde, rassistisch beeinflusst und gesellschaftlich auf einer fragwürdigen Position. Man muss bedenken, dass sie im 18. Jahrhundert geschrieben und veröffentlicht wurde. Damals waren das Denken und die Wahrnehmungen der Menschen ganz anders als heute. Was ich jetzt als Rassismus bezeichne, war damals „normal“. Damit stellt sich mir die Frage, wie ich das Buch rezensieren soll. Gehe ich auf diese Aspekte ein oder lasse ich sie außen vor? Ich habe mich für eine Mischung aus beidem entschieden.
Grundsätzlich hat Daniel Defoe einen ausführlichen Schreibstil mit dem er umfassend die Umgebung oder die Gedankengänge seines Protagonisten beschrieb. Letzter hörte nicht auf seine Eltern und ging seinen eigenen Weg. Der junge Mann war stark auf sich bezogen und dachte stets fast nur an sein Überleben. Gleichzeitig konnte er demütig und spendabel sein. Er machte Karriere, wurde wiederholt zum Schiffbrüchigen und landete auf der unbewohnten Insel, auf der er jahrelang überleben musste.
Robinson Crusoe war für mich eine etwas anstrengende Person. Er ging seinen eigenen Weg in Sachen Berufswahl, was ich gut fand. Andererseits lernte er nichts aus seinen Fehlern, auch wenn er mit Müh und Not überlebte. Den Abschnitt mit dem ersten Schiffbruch empfand ich als eher fand. Erst als Crusoe auf der einsamen Insel landete, wurde es interessant. In tagebuchartigem Stil und weiterhin aus der ICH-Perspektive wurde mir mit ausführlichen Beschreibungen geschildert, wie er sich eine Festung baute, Gegenstände aus dem Schiffswrack barg und überlebte. Ich fand es interessant so hören, welche Maßnahmen er ergriff und wie er sich immer mehr auf der Insel einrichtete. Er machte positive und negative Erfahrungen. Fehlschläge und Erfolge begleiteten ihn. Geistig und körperlich stellte ihn das Leben dort vor schwere Herausforderungen. Überhaupt war dieser Abschnitt für mich das Beste an dem gesamten Buch.
Seine Haltung zu Gott und die Läuterung wurden intensiv beschrieben. Zeitweise fand ich das ziemlich anstrengend, weil es mich übertrieben dünkte. Er versank sehr zwischendurch im Selbstmitleid, was durch seine prekäre Situation ein wenig verständlich war. Später kam es zu einer weiteren Wendung, bei der klar wurde, wie man im England des 17. Jahrhundert über andere Menschen dachte. Dabei waren die Engländer allen anderen überlegen und nur wer religiös war, galt etwas. Dementsprechend verhielt sich Crusoe, ich selbst fand das vollkommen daneben. Ein Protagonist wurde regelrecht einer Gehirnwäsche unterzogen. Was ihn von einem starken Mann zu einem unterwürfigen Diener machte. Als Robinson noch allein war, fand ich ihn definitiv sympathischer.
Gegen Ende kam es überraschenderweise zu einem relativ guten Happy End. Allerdings geschahen zuvor noch Wendungen, die zeigten wie ICH-süchtig Crusoe doch ist. Kurz darauf tat er wieder etwas Gutes, was sehr gegensätzlich war.
Meine Meinung zum Sprecher:
Wolfgang Condrus hat eine tiefe und sehr kräftige Stimme. Sie passte gut zu Hauptprotagonist Robinson Crusoe. Dem Sprecher gelang es auch die ausschweifenden Passagen mit Gefühl zu lesen. So wurde mir Dank ihm niemals langweilig. Vielmehr trug er zu meinem guten Leseerlebnis bei.
Mein Fazit:
Dieses Buch enthält eine solide Geschichte, die vor allem im Mittelteil ihre Stärken hat. Der Anfang bis zum Schiffbruch auf der einsamen Insel zog sich in die Länge. Im letzten Drittel fand ich Crusoes Verhalten vollkommen daneben, niemand sollte einer Gehirnwäsche unterzogen werden. Heute würde man vieles davon als Rassismus bezeichnen. Anderseits spielt das Geschehen im 17. Jahrhundert, da dachten die Menschen noch völlig anders. Der Schiffbrüchige war mir viel oft ichsüchtig. Das Ende bot mehr oder weniger ein Happy End. Durch Sprecher Wolfgang Condrus hatte ich ein gutes Hörerlebnis.
Ich vergebe 3 von 5 möglichen Sternen!